auf + Akkusativ oder Dativ – einfach erklärt

Auf ist eine Wechselpräposition, die entweder nach einem Akkusativ oder einem Dativ verlangt. Beide Fälle sind möglich. Wenn du nach dem Wo fragen kannst, brauchst du den Dativ. Auf die Frage nach dem Wohin folgt der Akkusativ.

Beispiel: “Ich gehe auf ein Konzert und tanze auf der Bühne.”

Auf ein Konzert steht im Akkusativ, weil du fragen kannst: “Wohin gehe ich?” Das auf der Bühne steht im Dativ, weil du fragen kannst: “Wo tanze ich?”

In diesem Artikel erkläre ich dir, wie du herausfindest, ob nach auf ein Akkusativ oder Dativ folgt. Viele Beispiele, Erklärungen und Grafiken helfen dir dabei, in Zukunft den richtigen Kasus nach auf zu verwenden.

Deshalb starten wir am besten gleich.

Auf  mit Akkusativ oder Dativ? (Deutsche Grammatik) Grafische Erklärung mit Beispielen

Welcher Fall nach auf – Akkusativ oder Dativ?

Die Präposition auf ist eine sogenannte Wechselpräposition. Das bedeutet, dass ein Akkusativ oder ein Dativ folgen kann. Welchen Kasus du verwenden musst, hängt von dem Sinn des Satzes und der Verwendung der Wechselpräposition auf ab. Damit du das besser verstehst, gehen wir auf beide Fälle genauer ein.

auf mit Dativ

Wenn du mit der Präposition auf sagen möchtest, wo etwas ist, dann nutzt du den Dativ. Bei auf mit Dativ geht es um eine Position.

Das Kind ist auf dem Baum. (Wo ist das Kind? Auf dem Baum. Der Baum steht im Dativ.)

Der Hund ist auf dem Sofa. (Wo ist der Hund? Auf dem Sofa. Das Sofa steht im Dativ.)

Der Name steht auf der Liste. (Wo steht der Name? Auf der Liste. Die Liste steht im Dativ.)

Ich sitze auf dem Stuhl. (Wo sitze ich? Auf dem Stuhl. Der Stuhl steht im Dativ.)

Wir liegen auf dem Sand. (Wo liegen wir? Auf dem Sand. Der Sand steht im Dativ.)

Das Glas steht auf dem Tisch. (Wo steht das Glas? Auf dem Tisch. Der Tisch steht im Dativ.)

auf mit Akkusativ

Wenn du mit der Wechselpräposition auf sagen möchtest, wohin oder worauf etwas ist, dann nutzt du den Akkusativ. Bei auf mit Akkusativ geht es um eine Richtung.

Das Kind klettert auf den Baum. (Worauf / Wohin klettert das Kind? Auf den Baum. Der Baum steht im Akkusativ.)

Der Hund springt auf das Sofa. (Worauf / Wohin springt der Hund? Auf das Sofa. Das Sofa steht im Akkusativ.)

Ich schreibe den Namen auf die Liste. (Worauf / Wohin schreibe ich den Namen? Auf die Liste. Die Liste steht im Akkusativ.)

Ich setzte mich auf den Stuhl. (Worauf / Wohin setze ich mich? Auf den Stuhl. Der Stuhl steht im Akkusativ.)

Wir legen uns auf den Sand. (Worauf / Wohin legen wir uns? Auf den Sand. Der Sand steht im Akkusativ.)

Das Glas wird auf den Tisch gestellt. (Worauf / Wohin wird das Glas gestellt? Auf den Tisch. Der Tisch steht im Akkusativ.)

Verb mit auf – Akkusativ oder Dativ

Was wäre die deutsche Sprache ohne einige Ausnahmen?! Und genau diese gibt es auch bei der Präposition auf. Nämlich dann, wenn auf zu einem Verb gehört.

Merk dir

Welcher Kasus auf ein Verb mit Präposition folgt, ist nicht durch Logik oder Grammatik erklärbar. Deshalb ist es wichtig, dass du die Verben mit Präposition und dem dazugehörigen Kasus lernst.

Sobald du ein Verb mit der Präposition auf hast, musst du das Gelernte anwenden und kannst die Wechselpräposition nicht mehr mit einer Richtung oder einer Position verbinden. Aber das erkläre ich dir kurz etwas genauer.

Verb mit auf und Dativ

Es gibt einige Verben, auf die immer die Präposition auf und dann ein Dativ folgt. Einige Beispiele dazu sind:

Wir bestehen auf einer detaillierten Erklärung. (bestehen auf + Dativ)

Ihr Erfolg beruht auf harter Arbeit. (beruhen auf + Dativ)

Der Kunde beharrt auf einer Rückerstattung des Kaufpreises. (beharren auf + Dativ)

Der Film basiert auf einem berühmten Buch. (basieren auf + Dativ)

Verb mit auf und Akkusativ

Bei anderen Kombinationen mit Verb und der Präposition auf musst du dagegen den Akkusativ nutzen. Typische Verben mit auf und Akkusativ sind:

Der Motorradfahrer achtet auf den Straßenverkehr. (achten auf + Akkusativ)

Er antwortet auf meine Frage. (antworten auf + Akkusativ)

Ich hoffe auf besseres Wetter. (hoffen auf + Akkusativ)

Wir freuen uns auf den Urlaub. (sich freuen auf + Akkusativ)

Die Frau wartet auf den Bus. (warten auf + Akkusativ)

Tipp

Wenn du dir unsicher bist, ob nach dem Verb mit auf ein Dativ oder Akkusativ folgt, dann nimm besser den Akkusativ. Es gibt mehr Verben mit der Präposition auf und Akkusativ als mit Dativ.

Verb mit auf bei festen Redewendungen

Neben den Verben mit Präposition gibt es auch einige Redewendungen mit der Präposition auf, die ebenfalls nach einem gewissen Fall – Dativ oder Akkusativ – verlangen. Auch solche Redewendungen musst du lernen, weil es gleichbleibende Kombinationen sind. Dazu habe ich dir einige Beispiele gemacht:

Wir müssen auf dem Laufenden sein.(BS)(Auf dem Laufenden sein → auf + Dativ)

Sie sind mit ihrem Hauskauf auf der sicheren Seite. (Auf der sicheren Seite sein → auf + Dativ)

Der Dozent hat es mit seiner Erklärung auf den Punkt gebracht. (Auf den Punkt bringen → auf + Akkusativ)

Ich habe nur wenig Zeit, denn ich bin auf dem Sprung. (Auf dem Sprung sein → auf + Dativ)

Die Jugendlichen sind auf die schiefe Bahn geraten. (Auf die schiefe Bahn geraten → auf + Akkusativ)

Verb + auf ohne Substantiv oder Pronomen

Folgt nach dem Verb mit der Präposition auf kein Substantiv oder Pronomen, dann tritt eine spezielle Regel in Kraft. In dem Fall musst du nämlich aus der Präposition ein präpositionales Adverb machen. Wie das geht, zeige ich dir anhand von Beispielen.

Er verlässt sich darauf. (Darauf ist das präpositionale Adverb, das du mit “auf das” übersetzen kannst. Weil der Satz “Er verlässt sich auf das” keinen Sinn ergibt, ersetzt du das “auf das” mit “darauf”.)

Der Lehrer hat die Schüler darauf gebracht. (Auch hier kannst du nicht sagen “Der Lehrer hat die Schüler auf das gebracht”, deshalb ersetzt du wiederum das “auf das” durch “darauf”.)

Worauf wartet der Busfahrer? (Warten + auf verlangt nach einem Akkusativ, den es in diesem Satz nicht gibt, weil das Objekt fehlt. Deshalb wäre die Frage “Auf was wartet der Busfahrer” grammatikalisch unkorrekt. Das “auf was” ersetzt du deshalb durch das präpositionale Adverb “worauf”.)

Worauf freut sich das Kind? (Hier haben wir dasselbe Problem wie vorhin, denn die Frage “Auf was freut sich das Kind” wäre komisch und falsch. Wenn du aus “auf was” aber “worauf” machst, funktioniert der Satz, weil du kein Objekt brauchst.

Jetzt hast du bestimmt verstanden, ob nach auf der Akkusativ oder Dativ folgt. Das ist super, denn das hast du gelernt:

Zusammenfassung

  • Auf ist eine Wechselpräposition, die du mit Dativ und Akkusativ verwenden kannst. Sobald du eine Position beschreibst, nutzt du den Dativ. (Er liegt auf dem Bett.) Geht es um eine Richtung, verwendest du den Akkusativ. (Er legt sich auf das Bett.)
  • Bei festen Kombinationen von Verb mit der Präposition auf musst du vorsichtig sein, denn solche Kombis verlangen nach bestimmten Fällen. Zumeist triffst du auf Verb + auf + Akkusativ. (Ich warte auf den Bus.) Seltener gibt es aber auch Verben mit auf und Dativ. (Das Buch basiert auf einer wahren Begebenheit.)
  • Folgt auf ein Verb mit Präposition kein Substantiv oder Pronomen, das du in den Akkusativ oder Dativ setzen kannst, dann musst du aus der Präposition ein präpositionales Adverb machen. (Wir hoffen darauf.)

Was ist ein Präfix (Vorsilbe) ?

Präfixe werden genutzt, um durch das Voranstellen einer Vorsilbe (z. B. ab-, auf-, un-, um-, ver-) an einen Wortstamm ein neues Wort mit einer veränderten Bedeutung zu bilden. Du kannst sie nutzen, um mit ihnen viele neue deutsche Wörter mit unterschiedlicher Bedeutung zu schaffen. 

Aus dem Wort “sicher” kannst du durch das Voranstellen der Endung “-un” das Wort “unsicher” machen. 

Ich fühle mich sicher im Umgang mit der deutschen Grammatik.

Ich fühle mich unsicher im Umgang mit der deutschen Grammatik.

(Durch das Voranstellen des -un drückst du aus, dass du dich nicht sicher, sondern im Gegenteil, unsicher fühlst.)

Gerade, wenn du die deutsche Sprache neu lernst, können Präfixe verwirrend sein. Denn durch die Verwendung einer kleinen Vorsilbe entsteht plötzlich ein komplett neues Wort. 

Ich zeige dir verschiedene Beispiele, damit für dich zukünftig nie mehr Unsicherheit im Umgang mit Vorsilben herrscht. 

Was sind Präfixe? Definition

Das Präfix ist eine Vorsilbe, die im Deutschen vorne an ein Wort angehängt wird. Es hat keine eigenständige Bedeutung, muss also immer im Zusammenhang mit einem Wortstamm verwendet werden. Für sich alleine steht ein Präfix nicht. 

Ich freue mich über deine Geduld mit mir. (Geduld = Substantiv > ohne Präfix, kann alleine stehen)

Deine Ungeduld (Präfix (Un-) + Substantiv (Geduld) stehen zusammen) ist heute kaum auszuhalten.

Wichtig ist, dass ein Präfix immer vor den jeweiligen Wortstamm eines Wortes gesetzt wird und nicht dahinter. Sobald eine Silbe hinten an ein Wort angehängt wird, handelt es sich um ein Suffix (dazu erkläre ich dir aber weiter unten mehr). Ein Präfix kann einem Substantiv (Nomen), einem Adjektiv oder einem Verb vorangestellt werden. 

Es gibt verschiedene Präfixe, die je nach Anlass verwendet werden. Sie können eine zeitliche Angabe machen, eine Richtung angeben oder etwas verneinen. Welche verschiedenen Präfixe es gibt, zeige ich dir gleich genauer. 

Aber zunächst möchte ich dir einige Beispiele für Vorsilben zeigen, damit du ein Gefühl für diese bekommst.

Präfix Beispiele

Präfixe in der deutschen Sprache

Schau dir diese Präfix-Beispiele an. Je nach Vorsilbe werden durch das Voranstellen neue Verben, Substantive oder Adjektive gebildet. 

Merk dir

Am häufigsten im Deutschen sind verbale Präfixe (Vorsilben, mit denen neue Verben entstehen).


Nach den Beispielen zeige ich dir zunächst, welche verschiedenen Arten von Präfixen es gibt. Weiter unten findest du eine übersichtliche Liste, wie Präfixe mit trennbaren und nicht trennbaren Verben verwendet werden. 

  • ab-

z. B. abmachen, abfahren, abdanken, Abfahrt, abfertigen, abfinden

  • aus

z. B. ausgehen, austreten, auslaufen, Auslauf, Ausgang, Ausfahrt

  • ein

z:B. einatmen, einbrechen, einsinken, einkaufen, einsehen, Einfahrt

  • um

z.B. umfahren, umdrehen, umplanen

  • un

z.B. unfreundlich, Ungeduld, ungerecht, unfair, ungern

  • zu

z: B. zulaufen, zumachen, Zuwachs, zuhören

Übersicht der Arten von Präfixen

Es gibt verschiedene Arten von Präfixen, die ich dir gerne mit Beispielen vorstellen möchte. 

Liste der Präfix-Arten: 

  • Verneinender Präfix
  • Verstärkender/Steigernder Präfix
  • Verkleinernder Präfix
  • Richtungspräfix/Lokalpräfix 
  • Zeitlicher Präfix 
  • Nominalpräfix
  • Verbalpräfix
  • Adjektivpräfix

Verneinende Präfixe

Es ist möglich, mit der Verwendung eines Präfixes eine Aussage zu verneinen. Du kannst auf diese Weise klar machen, dass etwas nicht passiert bzw. nicht der Fall ist. Verneinende Präfixe sind dafür da, die Bedeutung eines Wortes umzukehren, also die gegenteilige Wortbedeutung daraus zu machen. 

Beispiele: 

  • desinfiziert (nicht infiziert, gesäubert)
  • asozial (nicht sozial)
  • atypisch (nicht typisch)
  • unbeliebt (nicht beliebt)
  • unehrlich (nicht ehrlich)
  • unzufrieden (nicht zufrieden)

Besonders beliebt bei der Bildung eines verneinenden Präfixes sind die Vorsilben un- und a-.

Steigernde oder verstärkende Präfixe

Mit einem steigernden oder verstärkenden Präfix kannst du im Deutschen zum Ausdruck bringen, dass etwas besonders ist. Durch das Voranstellen einer Vorsilbe verstärkst du ein Wort. Ich zeige dir, wie das geht:

Mit diesen Präfixen kannst du eine Aussage intensivieren:

  • über-: übertreffen, überfordern 

Du hast dich heute im Deutschkurs selbst übertroffen. Sehr gut gemacht!

  •  hoch-: hochsensibel (jemand ist besonders sensibel), Hochhaus 

Da oben im Hochhaus wohne ich!

  • ultra-: ultraleicht, ultraviolett 

Du bist so leicht wie eine Feder. Du bist ultraleicht!

Verkleinernde Präfixe 

Auch das Gegenteil einer Steigerung, also eine Abschwächung der Wortbedeutung, kann durch das Voranstellen neuer Silben erreicht werden. So soll eine Aussage abgeschwächt bzw. eine Verniedlichung ausgedrückt werden. 

Verkleinernde Präfixe kommen allerdings im Deutschen nicht vor. Stattdessen gibt es verkleinernde Suffixe, bei denen an das bestehende Wort eine Endung als Nachsilbe angehängt wird. Im Deutschen werden sie vor allem in Verbindung mit Substantiven gebildet.

  •  -lein: Frau = Fräulein, Spiegel = Spieglein
  • -chen: Haus  = Häuschen, Mann = Männchen, Maus = Mäuschen

Beachte: Bei Diminutiven mit a wird bei der Bildung der Verkleinerungsform aus dem a ein ä.

Richtungspräfixe

Durch die Verwendung eines Richtungspräfixes kannst du, wie du dir sicherlich schon denken kannst, eine Richtung angeben. Diese Richtung muss nicht immer eine lokale Ortsangabe sein, sondern kann auch darauf hinweisen, in welche Richtung eine Handlung ausgeführt wird (von etwas weg, zu etwas hin). Im Deutschen werden Richtungspräfixe meist mit Verben verwendet. Alternativ kannst du ein Richtungspräfix auch Lokalpräfix nennen.

  • ein- (hinein)

z. B. einsteigen, einlaufen, einkaufen

  • ent- (zu etwas hin oder von etwas weg)

z. B. entgegen, entfernen, entlaufen

  • aus- (von etwas weg/etwas nicht machen)

z. B. ausgehen, auslassen, ausreden

  • auf- (mit etwas beginnen, nach oben)

z. B. aufladen, aufstehen, aufbauen

  • ab- (sich/etwas entfernen, weg von)

z. B. abladen, ablassen, abhauen

  • weg- (in eine andere Richtung, entfernen, beseitigen, etwas lassen)

z. B. weggehen, wegwerfen, weglassen 

  • zu- (hin, hinein, in dieselbe Richtung)

z. B. zumachen, zusteigen, zugehen (auf jemanden)

Merk dir

Richtungs- bzw. Lokalpräfixe können mit trennbaren und nicht trennbaren Verben vorkommen. Bei trennbaren Verben steht das Präfix losgelöst vom Verb in seiner konjugierten Form. 

Trennbare Verben Untrennbare Verben
ankommen
Wir werden mit einer Verspätung von 30 Minuten am Hauptbahnhof ankommen. (Verb ist hier nicht getrennt, es kann aber getrennt werden)

Ich komme gegen 14 Uhr am Hauptbahnhof an. (Präfix steht getrennt, Verb in konjugierter Form)

aufstehen
Ich stehe am Wochenende meist um 9 Uhr auf. (Trennbares Verb)
entgegen

Ich komme dir auf halber Strecke entgegen.  Mein Hund ist mir entlaufen, hilfst du mir bei der Suche? (Verb kann nicht getrennt werden)

Zeitliche Präfixe

Das zeitliche Präfix soll keine Richtung angeben, sondern einen zeitlichen Bezug herstellen. Ein Präfix allein kann keine Zeitangabe machen. Erst in Kombination mit einem Verb, Substantiv oder Adjektiv kann eine zeitliche Ebene eröffnet werden. Ich zeige es dir:

  • be- (in der Gegenwart oder zukünftig)

z. B. bevorstehen, bekommen, Beschluss

  • nach- (später, zu einem späteren Zeitpunkt)

z. B. nachträglich, nachfolgen (als Verb), nachfolgend (als Adjektiv)

  • vor- (früher)

z. B. vorweg, vorzeitig

  • ver- (vorbei)

z. B. vergangen, verlaufen

Tipp!

Zeitliche Präfixe geben oft einen Hinweis darauf, ob etwas in der Zukunft stattfinden wird, gerade stattfindet (Gegenwart) oder bereits stattgefunden hat (Vergangenheit).

Nominaler Präfix

Ein nominaler Präfix wird dazu verwendet, um Nomen mit einer neuen Bedeutung zu erschaffen. Dazu werden sie vor bestehende Substantive gesetzt. Er wird seltener auch Substantiv-Präfix genannt. 

  • Be-: Beschluss, Beziehung, Beladung 
  • Miss-: Missgunst
  • Un-: Unmut, Ungnade, Unglück
  • Ur-: Urbild, Urtyp

Verbalpräfix

Ein Verbalpräfix wird einem Verb vorangestellt, um weitere Bedeutungen zu schaffen. Es kann aus verschiedenen Gründen eingesetzt werden: Etwa um den Ort, die Richtung, die Art und Weise der Durchführung oder den gegenwärtigen Zustand einer Handlung zu beschreiben.  

Ein verbales Präfix kann, genau wie ein Richtungspräfix, mit trennbaren und untrennbaren Verben gebildet werden. Ich zeige es dir mit zwei Beispielen: 

aufbrechen: 

Ich breche langsam auf, morgen muss ich früh raus. (Trennbares Verb)

verstehen:

Ich verstehe die Frage nicht, kannst du sie noch einmal wiederholen? (Untrennbares Verb)

Adjektivpräfix

Es gibt auch Präfixe, die vor ein Adjektiv gesetzt werden, um aus diesen neue Bedeutungen zu schaffen.

Im Deutschen sind Adjektivpräfixe seltener als Verbalpräfixe und Nominalpräfixe.

  • un-: unglücklich, ungeduldig, unsportlich 
  • über-: überdurchschnittlich, überglücklich
  • unter-: unterdurchschnittlich 
  • ur-: uralt
Merk dir

Ein und dasselbe Präfix kann durchaus mehreren Präfix-Arten zugeordnet werden. So kann ein Adjektivpräfix beispielsweise gleichermaßen ein steigerndes Präfix sein: z. B. überglücklich. Fallen dir weitere Beispiele ein?

Übersicht & Liste:  Präfix bei trennbare Verben 

Präfixe können mit trennbaren und nicht trennbaren Verben verwendet werden. Das bedeutet: Einige Verben können getrennt werden (müssen es dann aber nicht zwingend). Andere wiederum sind untrennbar. Sie können auf keinen Fall getrennt stehen.  

Das erste Beispiel zeigt ein trennbares Verb im nicht getrennten, das zweite Beispiel im vom Präfix getrennten Zustand: 

Lass uns morgen um 15 Uhr losfahren.

Fahren wir morgen um 15 Uhr los?

Um es dir einfacher zu machen, habe ich dir eine Liste mit Anwendungsbeispielen für Präfixe mit trennbaren Verben erstellt. 

PräfixBedeutung/VerwendungTrennbares Verb + Beispiel
ab-von etwas weg, sich/etwas entfernenabmachen, abfahren, abdanken

Der Zug fährt um 16 Uhr auf Gleis 3 ab
an-sich nähern, herankommen ankommen, anhalten, anfahren

Du kommst um 17 Uhr auf Gleis 2 an, ist das richtig?
aus-weg von, in eine andere Richtung, entfernenausgehen, austreten, auslaufen

Gehen wir heute Abend aus?
ein- hin zu, hineineinatmen, einbrechen, einsinken

Atme noch einmal tief ein, dann ist es geschafft.
los-drückt Anfang oder Ende ausloslassen, losziehen, losgehen, loslösen

Lass die Vergangenheit los, damit du noch vorne schauen kannst. 
um- (auch mit untrennbaren Verben verwendbar, siehe Tabelle unten)deutet Veränderung an umziehen,  umgehen, umfahren, umplanen, umschauen

Zieht ihr noch diese Jahr um
über-  (auch mit untrennbaren Verben verwendbar, siehe unten)meist als Orts- oder Richtungsangabe: darüber, oben überziehen, überlaufen, übergehen

Die Badewanne läuft über.
vor-voraus, etwas im Voraus tun/ etwas zeigen, erklärenvorgehen, vorstellen, vortragen

Geh schon einmal vor, ich komme gleich nach.
zu-in die Richtung von, hin zu zumachen, zutragen, zulaufen, zugehen

Läufst du schon einmal vor

Beachte: Einige Präfixe können sowohl mit trennbaren, als auch mit untrennbaren Verben verwendet werden.Ein Beispiel ist das Präfix -um. Ich habe dir in beiden Tabellen Beispiele für trennbare und untrennbare Verben mit -um zusammengestellt. 

Es ist sogar möglich, dass ein und dasselbe Verb mit einem Präfix beides sein können. Das trennbare Verb und das untrennbare Verb haben dann eine unterschiedliche Bedeutung, wie beispielsweise bei umfahren

Ich habe die Baustelle umfahren. = Ich bin einen anderen Weg gefahren. (Untrennbares Verb)

Sie fährt die Laterne um. = Sie ist vor die Laterne gefahren. (Trennbares Verb)

Übersicht & Liste:  Präfix bei untrennbaren Verben 

Einige Verben können nicht getrennt werden, hier hast du keine Wahl. Auch diese können zusammen mit Präfixen als Vorsilbe verwendet werden. Schau dir auch hier die Liste an: 

PräfixBedeutung/VerwendungUntrennbares Verb + Beispiel 
be-Hinweis auf das Resultat/Ergebnisbeladen, bestimmen, begreifen

Jetzt begreife ich, wie Präfixe im Deutschen verwendet werden! Wir beladen das Auto, um in den Urlaub zu fahren. 
er-wird oftmals bei Aktion/Handlung mit plötzlichem Beginn oder Ende verwendet erkranken, erfinden, erraten

Ich musste eine Notlüge erfinden.
Die richtige Antwort wirst du nie erraten.  
ent-etwas entfernen/vergessen, etwas entweicht/verändert sich entfallen, entladen

Mir ist entfallen, dass wir verabredet waren.
Der Akku meines E-Bikes hat sich entladen
Leider muss der Deutschkurs heute entfallen.
miss-etwas klappt/gefällt nichtmissverstehen, missfallen

Da haben wir uns leider missverstanden
um-  (kann auch mit trennbaren Verben verwendet werden, siehe Liste oben)drückt eine Handlung/Tätigkeit aus, meist um etwas herum  umfahren, umarmen, umgehen

Sie umarmen sich ganz fest.
Ich möchte eine Nachprüfung umgehen, daher lerne ich sehr viel. 
über- (auch mit trennbaren Verben nutzbar, siehe oben)in verschiedenen Kontexten verwendbar: z. B. etwas nicht wahrnehmen, über etwas nachdenken etc.  übersehen, überfallen, überlegen, übersetzen

Ich habe dich ganz übersehen, tut mir leid! 
ver- etwas ist weg, entfernt sich etc. verlegen, verlassen, vergessen

Ich habe meinen Autoschlüssel verlegt.
Es tut mir leid, aber ich muss dich für heute verlassen
zer- etwas geht kaputt/ist kaputt/muss repariert werdenzerstören, zerbrechen

Oh nein, du hast mein Handy zerstört!
Das Glas ist zerbrochen
Merk dir

Du darfst Präfixe nicht mit Präpositionen verwechseln. Denn Präfixe, die mit trennbaren Verben eingesetzt werden, können auch aussehen wie eine Präposition. Eine Präposition jedoch dient nicht dazu, ein neues Wort zu bilden, sondern stellt eine Beziehung zwischen zwei Elementen eines Satzes her. Präpositionen kommen immer zusammen mit einem Substantiv oder Pronomen vor.

Beispiel für Präfix:

Ich gehe heute mit einer Freundin aus. > Trennbares Verb und Präfix = ausgehen

Beispiel für Präposition: 

Ich gehe aus dem Haus.  > Präposition = aus als Richtungsangabe (Woraus gehe ich? Aus dem Haus)  + Substantiv (dem Haus)

Und was sind Suffixe? Unterschied zwischen Präfix und Suffix

Ein Suffix ist sozusagen das Gegenteil eines Präfixes. Im Gegensatz zum Präfix wird ein Suffix immer an das Ende eines Wortes angehängt und bildet somit eine Nachsilbe, keine Vorsilbe.

Zusammengenommen fallen Präfix und Suffix grammatikalisch unter die Affixe. Ein Affix wird dem Wortstamm eines eigenständigen Begriffes bzw. Wortes hinzugefügt, um es zu ergänzen. Sowohl durch die Verwendung von Präfixen als auch Suffixen entstehen also neue Wörter und Wortbedeutungen. 

Beispiele für Suffixe:

  • -arm:  sauerstoffarm, kalorienarm
  • -haft: fabelhaft,zauberhaft
  • -reich: facettenreich, ideenreich, kalorienreich

Wie du weiter oben gelernt hast, werden außerdem die Verkleinerungen im Deutschen ebenfalls mit einem Suffix statt eines Präfixes gebildet. Kannst du dich noch erinnern? Ein Tipp: Maus = Mäuschen

Tipp: Eine umfangreiche Präfix-Liste inklusive PDF-Datei findest du hier!

Zusammenfassung

Du hast heute eine Menge dazugelernt, du kannst stolz auf dich sein! Die deutsche Grammatik kannst du jetzt ein Stück weit besser verstehen. Na, hast du das Präfix entdeckt? 

Das Wichtigste über Präfixe im Überblick: 

  • Präfixe werden vor einen Wortstamm gehängt, um neue Substantive, Verben oder Adjektive zu bilden. 
  • Vorsilben bzw. Präfixe bilden zusammen mit den Suffixen die Affixe (=Präfix + Suffix) der deutschen Grammatik.
  • Durch Präfixe werden zahlreiche neue Wörter geschaffen, die die deutsche Sprache abwechslungsreich machen. Du kannst also ab heute damit starten, viele neue Wörter durch Präfixe zu bilden!

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Präfixen und Suffixen?

Ein Präfix wird vor den Wortstamm eines Wortes gesetzt, ein Suffix hingegen wird an ein Wort hinten angehängt.

Welche Wörter haben Präfixe?

Ein Präfix kann vor ein Verb, Adjektiv oder Substantiv gesetzt werden. Am häufigsten gibt es im Deutschen Verbalpräfixe.

Wie verändert ein Präfix die Bedeutung eines Wortes?

Ein Präfix erschafft ein neues Wort und somit eine neue Wortbedeutung. Beispielsweise kann eine Vorsilbe die Bedeutung eines Wortes in sein Gegenteil umkehren. (geduldig – ungeduldig)